Bildschirmarbeitsplatzbrillen

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Was kann eine BAP-Brille

1. Eine BAP-Brille hilft bei vegetativen Beschwerden, wie Kopfschmerzen infolge eines kombinierten Sehfehler aus Kurzsichtigkeit und gleichzeitig zunehmender Weitsichtigkeit.

2. Eine BAP-Brille bietet keinen Schutz vor einer zunehmenden Sehverschlechterung.

Für alle, die dazu näheres wissen wollen, im folgendem eine medizinische Begründung:

 

Schadet Bildschirmarbeit den Augen?

Ja

In den letzten Jahren ist eine eindeutige Zunahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen weltweit festzustellen. Diese Feststellung beruht zum Teil auf der erhöhten Aufmerksamkeit mit der bei steigendem Wohlstand Jugendliche hinsichtlich ihrer Sehfähigkeit gezielt untersucht werden. Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit, ganz offensichtlich hat die Zahl der Kurzsichtigen deutlich zugenommen. In China hat die Zahl der kurzsichtigen Jugendlichen die Zahl der normalsichtigen Jugendlichen überholt. Seine vermutliche Ursache findet dieses Phänomen in der anteiligen Verschiebung zwischen Sehaufgaben in der Nähe und in der Ferne. Werden mehr Spiele am Handy als Fußball gespielt, passt sich das Auge des Kindes an und es sieht insbesondere im nahen Bereich gut und unter bestimmten Voraussetzungen dann in der Ferne schlecht. Das Kind hat jetzt eine Myopie oder zu deutsch eine Kurzsichtigkeit und benötigt eine Brille für die Ferne.

Aber

Genau dieses Problem der Anpassung meinen viele Erwachsene durch die Computerarbeit zu erleben. Sie berichten, seit sie am Computer arbeiten, sehen sie zunehmend schlechter. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei der Sehverschlechterung jedoch nicht um eine zunehmende Kurzsichtigkeit, sondern um eine zunehmende Weitsichtigkeit. Das Auftreten der Weitsichtigkeit findet bei jedem Menschen im Laufe des Lebens statt. Der Prozess beginnt eigentlich schon beim Jugendlichen. Eine relevante Sehverschlechterung tritt bei Frauen in aller Regel ab dem 42. und bei Männern in aller Regel ab dem 45. Lebensjahr auf. Dieser Prozess wird, wie wir aus vielen Untersuchungen wissen, von der Bildschirmarbeit weder positiv noch negativ beeinflusst.

Allerdings

Viele Beschäftigte berichten von Sehverschlechterungen zum Abend, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, trockenen Augen und ähnlichem bei der Bildschirmarbeit. Oft werden diese Beschwerden als „Einbildung“ abgetan. Diese Beschwerden können aber sehr wohl bei der Bildschirmarbeit auftreten. Die Beschwerden beruhen darauf, dass das Auge ebenso wie Fotoapparate darauf angewiesen sind, sich auf die Entfernung einzustellen. Im Auge erledigt dies ein kleiner Ringmuskel, der wiederum vom vegetativen Nervensystem angesteuert wird. Dabei ist der Muskel nicht angespannt, wenn das Auge in die Ferne blickt. Je näher der zu betrachtende Gegenstand heran rückt, um so mehr muss sich der Muskel anspannen. Da dieser Muskel vom vegetativen Nervensystem angesteuert wird und das vegetative Nervensystem gleichzeitig auch das „Stress-Nervensystem“ ist, kann dies zu den oben beschriebenen gesundheitlichen Problemen führen. Diese begründen jedoch nach allgemeiner Rechtsauffassung keinen Anspruch auf eine Entschädigung durch den Arbeitgeber.

Übrigens

ist die Ansteuerung dieses Muskels auch für die Entstehung der Weitsichtigkeit verantwortlich. Bei unbekannter Ursache verschlechtert sich deren Funktion mit zunehmenden Alter. In der Anfangsphase funktioniert diese Ansteuerung noch mit vermehrter Anspannung, später nicht mehr. Dies erklärt auch die zunehmende Beschwerdehäufigkeit der Erwachsenen, während Kinder keine Beschwerden haben.

Abhilfe

Diese Funktionseinschränkungen können sich durch die Anspannung bei der Bildschirmarbeit temporär verschlimmern, dieser Vorgang ist jedoch vollständig reversible, nach einigen Tagen Urlaub ist die Sehfähigkeit wieder so, wie sie in ihrem natürlichen Verlauf wäre.

Dies ist die Begründung für mindestens 5 Minuten Pause von der Bildschirmarbeit pro eine Stunde. In dieser Zeit soll der Beschäftigte andere Tätigkeiten erledigen, bei denen er nicht in die Nähe schaut um die Arbeit im Nahbereich auszugleichen und das vegetative Nervensystem zu entlasten.

Fazit

Dauerhafte Veränderungen durch Naharbeiten (egal, ob Buch, PC oder Handy) sind bei Kindern zu befürchten. Erwachsene leiden hingegen infolge der Naharbeit an reversiblen vegetativen Störungen. Eine ursächliche Abhilfe gegen diese Beeinträchtigungen ist nur möglich insbesondere mit einem ausgewogenem Verhältnis zwischen Nah- und Fernarbeiten, sowie weiteren Maßnahmen, wie der korrekten Einstellung des PC-Arbeitsplatzes.

Hilft eine Brille?

Ja, bei der Kurzsichtigkeit

hilft nur eine Sehhilfe oder neuerdings auch eine OP.

Ja, bei der Weitsichtigkeit

führt die Erleichterung der Sehaufgabe durch die Sehhilfe zu einer Entlastung des vegetativen Nervensystems und damit verschwinden häufig die oben genannten Beschwerden. Schreitet die Weitsichtigkeit weiter fort, sind einige Aufgaben nur noch mit einer Sehhilfe zu erledigen und die Anschaffung einer Sehhilfe ist somit unabhängig vom Auftreten von vegetativen Funktionsstörungen unumgänglich.

Nein,

die zunehmende Weitsichtigkeit wird durch keine Brille aufgehalten. Ganz im Gegenteil, es wird sogar diskutiert, dass die Erleichterung der Sehaufgabe durch die Nahbrille zu einem zusätzlichen Abtrainieren der Nervenansteuerung des Ringmuskels und damit zu einer Beschleunigung der Verschlechterung der Sehfunktion führt.

Und die BAP-Brille?

Ist zunächst einmal eine Brille und das oben gesagte gilt damit uneingeschränkt auch für die BAP-Brille.

Wofür gibt es dann eine BAP-Brille?

Einfacher ist es zunächst zu betrachten, wofür es „Alltagsbrillen“ gibt. Die Fernbrille gibt es natürlich für den (jugendlichen) Kurzsichtigen, die Nahbrille, auch Lesehilfe genannt, gibt es für den (Alters-)Weitsichtigen. Liegen beide Störungen vor, bietet sich eine Gleitsichtbrille an. Diese kann auch als Komfortgewinn bei ausschließlich Weitsichtigen gewählt werden, es entfällt dann das Auf- und Absetzen der Brille. Die bisher beschriebenen Brillen werden dem allgemein üblichen Alltagsgebrauch zugerechnet und es besteht für den Arbeitgeber keinerlei Verpflichtung diese dem Arbeitnehmer finanziell zu entschädigen.

Bei beginnender Weitsichtigkeit reicht in aller Regel die oben beschriebene Lesehilfe. Bei nicht zu weit fortgeschrittener Fehlsichtigkeit lassen sich damit Bildschirm und Vorlage problemlos erkennen. In aller Regel brauchen Beschäftigte nicht mehr als diese Hilfsmittel bis zur Berentung.

Vereinzelt kann jedoch aus der Kombination aus Arbeitsvorgabe und Sehfehler die Notwendigkeit zu einer besonderen Sehhilfe bestehen. So gab es früher häufig den Tipp bei stark zunehmender Weitsichtigkeit bei Anschaffung einer neuen Brille die alte zu behalten, da diese zwar für den Leseabstand von 33 cm nicht mehr ausreicht, aber für den Bildschirmabstand von 55 cm ausreichend ist.

Dies kann auch heute noch sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn die Arbeitsaufgabe ausschließlich in der Monitorentfernung erledigt wird. Bei dieser Brille steht dann die volle Brillenglashöhe und Breite für die Aufgabe zur Verfügung. Moderne Arbeitsplatzbrillen sind jedoch spezielle Gleitsichtbrillen. Bei der Alltagsgleitsichtbrille ist der Sehbereich für die Ferne relativ groß eingeschliffen. Dies ist unumgänglich, da z.B. für das Autofahren ein großes entsprechendes Gesichtsfeld vorhanden sein muss.

Besteht ein starker Sehfehler in der Ferne und kommt es zusätzlich zu einer Weitsichtigkeit, so verbleibt im Nahbereich nur ein schmaler Schlitz durch den der Monitor scharf wahrgenommen wird. In der Folge muss der Mitarbeiter seinen Kopf zeilenweise in der Halswirbelsäule richtig kippen, um den Monitor abzulesen. Diese Belastung kann auch zu den oben beschriebenen vegetativen Störungen führen. In diesem Fall kann eine besondere Gleitsichtbrille angefertigt werden, mit einem vergrößerten Nahteil und einem verkleinerten Fernteil. Dabei handelt es sich dann nicht mehr um eine Alltagsbrille, sondern um eine spezielle Bildschirmarbeitsplatzbrille, für die der Arbeitgeber aufzukommen hat. Medizinische Voraussetzung für die Notwendigkeit dieser Sehhilfe ist ein großer Diopriensprung zwischen der Nähe und Ferne des Mitarbeiters; arbeitstechnische Voraussetzung für die Notwendigkeit ist das Arbeiten in verschiedenen Entfernungen.

Wie wird festgestellt, ob ich eine BAP-Brille bekomme?

Der Betriebsarzt

bespricht zunächst mit Ihnen Ihre Arbeitsaufgabe, um sich eine Übersicht über die Bedeutung der verschiedenen Arbeitsentfernungen zu machen. Es werden bestehende Beschwerden am Arbeitsplatz abgefragt um zu prüfen, ob eine Bildschirmarbeitsplatzbrille eine Lösung sein könnte. Insbesondere wird anhand Ihrer Angaben geprüft, wie groß der Dioptriensprung zwischen Nähe und Ferne ist. (Hier ist der Betriebsarzt auf Ihre Mitwirkung angewiesen, da Betriebsärzte nur Sehtestgeräte aus der „DOG-Liste“ benutzen dürfen, und diese können alle die Dioptrienzahl nicht messen.)

Der Optiker

kann sich dann an die praktische Anfertigung der besonderen Sehhilfe machen. Dies umfasst einen sehr hohen Beratungsaufwand, da auch er sich über die einzuschleifenden Weiten Klarheit verschaffen muss. Daher ist eine solche Brille nicht in 2 Minuten angefertigt. Sie sollten sich daher vergewissern, dass der Optiker sich auch tatsächlich die erforderliche Zeit für diese Aufgabe nimmt.

Dr. med. Ralf Dunkel

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